Was ist alt-katholisch? - Die Geschichte

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Geschichte

Die alt-katholische Kirche ist hervorgegangen aus der Abwehr gegen die beiden Glaubenssätze von der bischöflichen Allgewalt und der lehramtlichen Unfehlbarkeit des Papstes. Dagegen hatte sich, als diese am 18. Juli 1870 auf dem I. Vatikanischen Konzil verkündet wurden, in der damaligen katholischen Kirche und in der Öffentlichkeit eine heftige Opposition erhoben. Sogar auf dem Konzil selbst sprachen sich viele Bischöfe, die etwa zwei Drittel der damaligen katholischen Bevölkerung vertraten, gegen die Verkündung dieser Sätze aus, unterwarfen sich aber nachher dem Papst. Für viele Katholiken waren und sind die beiden Lehren jedoch Glaubensneuerungen, die im Widerspruch stehen zur Heiligen Schrift und zur Überlieferung der alten Kirche. Ihre theologischen Führer, darunter die Professoren Ignaz von Döllinger und Johann Friedrich in München haben das in einem ausgedehnten Schrifttum nachgewiesen. Gerade um „ihres katholischen Gewissens“ willen konnten sie die neuen Dogmen nicht annehmen. Als Katholiken um die Freiheit des Gewissens innerhalb der katholischen Kirche kämpfend wollten sie nicht Neuerer oder gar Umstürzler sein. Ihr Hauptanliegen war es vielmehr, wie sie auf ihrem ersten Kongress 1871 in München erklärten, festzuhalten am Glauben, an der Verfassung und am Gottesdienst der alten Kirche. Darum nannten sie sich Alt-Katholiken. Unter dieser alten Kirche verstanden sie die ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends, nach deren Grundsätzen auch die - von zahlreichen Katholiken längst geforderten - Reformen durchgeführt und auf deren Boden endlich eine Wiedervereinigung der getrennten Kirchen in die Wege geleitet werden sollte. Diesem kirchlichen Aufbauwillen hat Ignaz von Döllinger Ausdruck gegeben mit den Worten, dass es die dreifache Sendung der alt-katholischen Kirche sei:
„1. Zeugnis zu geben für die kirchliche Wahrheit und gegen die neuen Irrlehren…
2. eine der alten, noch ungeteilten, mehr konforme Kirche darzustellen…
3. als Werkzeug einer künftigen großen Wiedervereinigung der getrennten Christen und Kirchen zu dienen.“
Von diesen Prinzipien ließen sich die Alt-Katholiken im Wesentlichen leiten, als sie daran gingen, eine eigene kirchliche Organisation zu schaffen. Ursprünglich hatten sie an die Möglichkeit geglaubt, mit ihrem Protest im römisch-katholischen Kirchenverband ausharren zu können. Man wollte nicht „Altar gegen Altar stellen“, nicht eine neue Kirche „gründen“. Erst als sie infolge ihres Widerstandes aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossen wurden, sahen sie sich gezwungen, die im alten Glauben verharrenden Katholiken in eigenen Gemeinden zu sammeln. So kam es zur Bildung alt-katholischer Kirchen in Deutschland (1873), in der Schweiz (1875), in Österreich (1877) und seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Tschechoslowakei und in Polen. Die apostolische Amtsnachfolge der von den altkatholischen Synoden gewählten Bischöfe wurde gesichert durch die alt-katholische Kirche Hollands, die schon seit 1723 von Rom getrennt war, deren Bischöfe aber im Besitz gültiger Weihen verblieben waren. Die Gültigkeit der alt-katholischen Bischofs- und Priesterweihen wird daher von niemandem ernsthaft bestritten. Gegenwärtig umfasst die altkatholische Kirche im Ganzen sechs Bistümer. Ihr gemeinsames oberstes Organ haben die selbstständigen Landeskirchen in der alt-katholischen Bischofskonferenz, deren Vorsitz der Erzbischof von Utrecht führt. In der Utrechter Erklärung vom Jahre 1889 sind auch die Grundsätze niedergelegt, die für die der Utrechter Union angeschlossenen alt-katholischen Kirchen bestimmend sind in Bezug auf Lehre, Verfassung und Gottesdienst.